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Thema Gesamtschule

Variieren statt Selektieren
Pädagogen-Legende Dr. Rupert Vierlinger plädiert für gemeinsame Schule der 6 bis 14-Jährigen
Die „Elternschule“ des Schul- und Erziehungszentrums (SchEZ) lud zum Bildungstalk in den Arbeiterkammer-Saal nach Ried. Als Referent konnte eine pädagogische Institution, der mittlerweile 76-jährige, aber nach wie vor intellektuell brillante Univ. Prof. Dr. Rupert Vierlinger gewonnen werden.
Vierlinger war von 1967 bis 1980 Leiter der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz (PADL) und von 1980 bis 1997 Professor für Schulpädagogik an der Universität Passau. Für die an der PADL 1973 gegründete "echte" Gesamtschule (keine Leistungskurse, also ungebrochene Heterogenität) hat er als Alternative zum Ziffernnoten-Zeugnis das Konzept der "Direkten Leistungsvorlage" entwickelt.
Im Mittelpunkt des Diskussionsabends in Ried  stand die aktuelle Diskussion um die gemeinsame Schule der 6 bis 14-Jährigen. „Variieren statt Selektieren“ müsse das Motto sein, plädiert Vierlinger für die gemeinsame Schule. Unsere Schule der Sechs- bis Zehnjährigen (Volksschule) ist im Hinblick auf die Zusammensetzung der Schüler eine echte Gesamtschule. In ihr sitzen die zukünftigen Auszeichnungs-Maturanten und Hilfsarbeiter beisammen und dazwischen befindet sich die gesamte Begabungsstreuung. Die VS ist im internationalen Ranking sehr erfolgreich: Unsere Zehnjährigen können, wie die Absolventen der Grundschule in Deutschland, mit der Weltspitze mithalten. Nach ihrer Sortierung ins gegliederte System sind sie als Fünfzehnjährige bestenfalls Mittelmaß.
Statt die Kinder also mit 10 Jahren nach der eigentlich sehr erfolgreich als Gesamtschule geführten Volksschule in Gymnasiasten, Hauptschüler in 3 Leistungsgruppen und womöglich noch Sonderschüler auseinanderzudividieren sollte besser weiter gemeinsam unterrichtet werden und etwa der unbestritten wichtige Lernansatz des „Imitationslernen“, als das gemeinsame Lernen am Vorbild forciert werden.
Lernen am Vorbild!
Jede pädagogisch nicht speziell geschulte Mutter weiß es und bemüht sich, für ihr eigenes Kind ein begabtes anderes als Freund/Freundin zu gewinnen. Die Apologeten des gegliederten Schulsystems – wie auch des Modells der Leistungsgruppen in der falschen Gesamtschule Deutschlands und der österreichischen Hauptschule – wissen es nicht und schotten die Schwachen hermetisch von den Vorbildern ab. In den so gebildeten Ghettos wird das Desinteresse potenziert und die Motivation zur Kulturbegegnung wird gehemmt.
Das Lernen vollendet sich im Lehren
„Das Lernen vollendet sich im Lehren!“, meinte bereits Comenius, ein großer Philosoph und Pädagoge des 17. Jahrhundert. Wenn die Begabten als Tutoren der Schwachen herangezogen werden, so lernen sie gemäß einer amerikanischen Metastudie  intensiver und verwenden anspruchsvollere Denkstrategien, als wenn sie nur für ihre Prüfung lernen. Wenn sie zum Lernerfolg der Anderen beitragen und deren Leben verbessern, erleben sie sich als verantwortlich für das Erreichen eines gemeinsamen bedeutenden Zieles.
Methoden variieren statt Exerzierunterricht
Bei einer gemeinsamen Schule komme natürlich auch den LehrerInnen große Verantwortung zu: Der „Exerzier-Unterrichtes“, der von der Vorstellung ausgeht, dass alle 25 Kinder ein Klasse zur selben Zeit in der selben Geschwindigkeit, die selben Inhalte lernen funktioniert auch in einer noch so homogenen Klasse nicht. Besser wäre es verschiedene Lehrmethoden innerhalb des Klassenverbandes zu variieren und durch Projektarbeiten, Wochenpläne und individuell  gestaltete Lernphasen zu ergänzen sowie der gegenseitigen Hilfe der Schüler untereinander einen größeren Stellenwert zuzuerkennen.
Dass dies funktioniert, kann international an dutzenden bewährten Beispielen begutachtet werden, so Vierlinger.
Noten sind Lug und Trug
Hart ins Gericht ging Vierlinger auch mit dem bestehenden Notensystem: Unter den zahllosen empirischen Untersuchungen gibt es keine, die dem Ziffernnotenzeugnis eine ausreichende Objektivität bestätigt. Ein und dieselbe Leistung wird von verschiedenen Lehrern und Schulen unterschiedlich beurteilt, und das bis hin zur Matura und zum Universitätsdiplom. – Die Schule aber misst die Schülern mit dieser unsauberen Methode und entscheidet damit nach wie vor über Lebens- und Sozialchancen. Das produziert nach wie vor unnötige Frustrationen und große Ungerechtigkeiten.

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